Es regnete. Ich ging ins Bett und es regnete. Ich bin aufgewacht auf und es regnete. Von Tag zu Tag stiegen die Pegel der Flüsse, doch dass es hier bald schon so aussehen wird, wie vor 11 Jahren schon...damit habe ich nicht gerechnet.
Sonntag begann ich panisch zu werden, habe online die Pegelstände verfolgt, wollte nicht einschlafen. Wo soll ich das Auto hinbringen? Gegen dreiviertel 12 ertönte eine Sirene. Panik. Mir schossen zu viele Gedanken durch den Kopf. Was hatte das zu bedeuten? Was soll ich tun? Wohin?
Katastrophenalarm. Zur Evakuierung bereit machen. Es ist doch aber erst Alarmstufe 2 von 4? Wieso Sachen packen? Und vor allem was? Ich wartete auf weitere Anweisungen. Halb 3 und mir fielen die Augen zu.
Am nächsten Morgen erwachte ich erst um 10 Uhr und das Chaos begrüßte mich und der Regen, was sonst. Auf den Straßen herrschte ein wildes Durcheinander. Kinder, die aus der Schule abgeholt werden mussten. Menschen, die ihre Wagen in Sicherheit bringen wollten. Die Talsperre wird abgelassen. Das hat nichts Gutes zu bedeuten für ein Tal.
Man steht am Wasser. Es ist braun und so schnell. Zieht alles mit sich. Noch 1 Meter. Und es regnet.
Was macht man in so einem Moment, außer auf das Wasser zu warten? Wir räumten Keller aus, Garagen. Füllten uns Trinkwasser ab. Kerzen, Taschenlampen. Radio. Warten. Lauschen. Eine Megafondurchsage. Bringen sie ihr Hab und Gut, ihren PKW und sich selbst in Sicherheit. Wohin denn aber? Wohin? Angst. Tränen. Erinnerungen. Hektik.
"Eine Jahrhundertflut, wie wir sie 11 Jahre nicht gesehen haben."
Die Bilder sind plötzlich wieder so präsent: Schreie. Wasser, so viel braunes, schnelles Wasser. Überall war es. Aber wenn man den Hahn aufdrehte, wartete man vergebens. Damals war ich 7. Zu klein um zu verstehen. Montagabend: der Pegel sinkt.
Jetzt: die Sonne scheint, als wäre nichts gewesen. Und Dresden steht unter Wasser. Sandsäcke.
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Meine Lieben,
es ist ruhige geworden hier auf dem Blog, dafür umso lauter in meiner Stadt.
Viele von euch werden die schrecklichen Bilder im Fernsehen gesehen haben. Einige haben ihre Betroffenheit auf Twitter Kund gegeben, andere über die ständige Berichterstattung gemeckert. Ich kann verstehen, dass es für viele von euch so weit weg erscheint, was hier (wieder) passiert.
Mir geht es mittlerweile gut. Zum Text muss ich noch sagen, dass ich nicht direkt in Dresden wohne, sondern etwas außerhalb und daher nicht von der Elbe, sondern von einem anderen Fluss bedroht wurde. Die Gefahr ist jetzt nicht mehr vorhanden und der Katastrophenalarm wurde hier aufgehoben. Allerdings kämpft Dresden noch weiter und ich bin so stolz, wie sich die Menschen gegenseitig helfen. Es ist wunderbar mit anzusehen, wie alle zusammenrutschen, wie Sandsäcke und Schaufeln, Essen verschenkt wird. Man reicht sich die Hand und das ist bewundernswert.
Für mich war es besonders schlimm, weil ich das alles schon mal miterlebt habe und ich weiß, wie schnell eine Stadt überflutet werden kann. Damals war es hier in meiner kleinen Stadt viel schlimmer als diesen Sommer; Häuser wurden unterspült, Menschen mitgerissen. Ihr glaubt nicht, wie dankbar ich bin, dieses Jahr verschont geblieben zu sein.
Allerdings zittere ich weiterhin mit meiner Stadt Dresden. Es ist schrecklich zu wissen, dass der Scheitelpunkt noch nicht erreicht wurde, das Wasser also weiterhin steigt.
Das ist das, was ich zu der Katastrophe sagen möchte und kann.
Ich werde mir alle Mühe geben, dass es hier ab morgen wieder wie gewohnt weiter geht.
Ich wünsche allen Betroffenen unter euch nur das Beste, ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen.
Fühlt euch alle fest gedrückt, eure Luise.